Fußgängerbereich Bahnhofstraße Nord, Radebeul
Bauherr | Große Kreisstadt Radebeul
Planung | 2020-2021, LPH 1-8
Ausführung I 2021
Fläche | 980 m²

Die Entwicklung der Bahnhofstraße begann mit dem Bau der ersten deutschen Ferneisenbahnverbindung zwischen Leipzig und Dresden von 1837 bis 1839 und der Anlage des Haltepunktes Kötzschenbroda. Die Gleise querten die heutige Bahnhofstraße damals noch ebenerdig als beschrankter Bahnübergang. Im Zusammenhang mit dem viergleisigen Ausbau der Bahnstrecke in den 1890er Jahren und der Höherlegung der Gleise wurden die Unterführung der Bahn angelegt und das neue Empfangsgebäude errichtet.

Im Jahr 2009 wurde für Radebeul ein Stadtbodenkonzept erarbeitet, welches Leitlinien für die Bodenbefestigung der Straßen- und Platzräume in den unterschiedlichen Stadtgebieten darstellt. Es wird das Ziel formuliert, die öffentlichen Räume unter Berücksichtigung ihrer historischen Entwicklung und ihrer Bedeutung zu gestalten. Die Bahnhofstraße wird als Gebiet mit städtischem Charakter beschrieben, dessen gründerzeitlicher Charakter gestaltprägend ist. In Umsetzung der Sanierungsziele des seit 2016 bestehenden Sanierungsgebietes „Zentrum Radebeul-West“ beabsichtigt die Stadt Radebeul die Erneuerung der Gehwege im Bereich der nördlichen Bahnhofstraße zwischen Meißner Straße und Güterhof-/Harmoniestraße. Planerisches Anliegen ist es, die Bahnhofstraße im städtebaulichen Zusammenhang in ihrem Verlauf von der Meißner Straße bis Altkötzschenbroda ablesbar zu machen und die Bedeutung der Bahnhofstraße als Einkaufsstraße zu stärken. Es wurden hierzu zwei Varianten erarbeitet. Die Stadträte entschieden sich im SEA-Ausschuss für Variante 1. Die Wegebefestigungen werden in gestalterischer Einheit bis zum Bahnhofsplatz bzw. Harmoniestraße gezogen. Anliegen ist es, das historische Seifenpflaster wiederzuverwenden. Historisch auch oft auf weniger begangenen Flächen neben Wegebefestigungen aus Granitplatten verwendet, soll diese Pflasterung als durchgehende Streifen neben dem stärker belastbaren Wegebelag in der Mitte verlegt werden. Hier kommt im mittleren Bereich Granitkleinpflaster aus der Lausitz zum Einsatz. Mit der Verwendung von Granitmaterial wird an die Wegebeläge der Bahnhofstraße im weiteren Verlauf angeknüpft. Das Seifenpflaster wird im Läuferverband quer zur Laufrichtung eingebaut. Das Granitpflaster, soll im Passeverband mit einer Rahmung durch einen Dreizeiler verlegt werden. Wie im Bereich Bahnhofstraße Mitte wird die Rahmung mit einem dunkleren Natursteinmaterial betont. Die Abschnitte gehen teppichartig auf Hauseingänge, Einfahrten, Gebäudefluchten ein.  Es wird von einer Möblierung ausgegangen, die an den Bestand der mittleren Bahnhofstraße anknüpft. Ergänzend wurde sich für ein neues Bank- und Fahrradbügelmodell entschieden. Die Ausstattungselemente und Pflanzkübel folgen in Ihrer Reihung der Flucht des Fußweges in einem Seifenpflasterstreifen an der Brüstungsseite.  Nur die Pflanzungen in Kübeln und Rankspalieren befinden sich auf der Gebäudeseite und betonen die Eingänge. Mit den bereits mit Palmen und Oleander bepflanzten Kübeln wird dem südländischen Charakter der Stadt Radebeul Rechnung getragen. Sie bilden im Sommer eine räumliche Abgrenzung zur Straße. Ergänzend sollen immergrüne Rankgehölze in freistehenden Rankspalieren an den Hauswänden gepflanzt werden.